Vertragsauslegung nach niederländischem Recht

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Wie werden Verträge nach niederländischem Recht ausgelegt? (Der „Haviltex-Maßstab“)

Niederländischer Begriff: Haviltex-Kriterium | Rechtsgrundlage: Oberster Gerichtshof der Niederlande, 13. März 1981 (Haviltex); § 6:248 des niederländischen Bürgerlichen Gesetzbuchs

Nach niederländischem Recht werden Verträge nach dem Haviltex-Kriterium ausgelegt, das nach dem Urteil des niederländischen Obersten Gerichtshofs vom 13. März 1981 benannt ist. Der Maßstab sieht vor, dass ein Vertrag nicht allein anhand seines Wortlauts auszulegen ist, sondern anhand der Bedeutung, die die Parteien den Bestimmungen unter den gegebenen Umständen vernünftigerweise beimessen konnten, sowie anhand dessen, was sie vernünftigerweise voneinander erwarten konnten.

Zu den relevanten Umständen zählen die Art und der Zweck des Vertrags, der Verhandlungsverlauf, das spätere Verhalten der Parteien, deren jeweilige Fachkenntnisse sowie die Handelsbräuche. Folglich kommt außervertraglichen Beweismitteln (E-Mails, Entwürfe, Besprechungsnotizen) bei der niederländischen Vertragsauslegung mehr Gewicht zu als in Rechtsordnungen, die sich an eine strenge „Parol Evidence Rule“ halten.

Für standardisierte Vertragsbedingungen, die zwischen erfahrenen Geschäftspartnern verwendet werden, hat der niederländische Oberste Gerichtshof einen objektiveren Ansatz entwickelt (den CAO-Standard), der sich in erster Linie auf den Wortlaut und dessen objektive sprachliche Bedeutung konzentriert. In der Praxis liegen die meisten Handelsverträge zwischen professionellen Parteien irgendwo zwischen einer reinen Haviltex- und einer reinen CAO-Auslegung, wobei der Wortlaut zwar erhebliches, aber kein absolutes Gewicht hat.

Die praktische Konsequenz besteht darin, dass ein Vertrag nach niederländischem Recht als „lebendiges“ Handelsdokument gelesen wird. Eine übermäßig wörtliche oder extrem einseitige Formulierung kann vom Gericht aus Gründen der Angemessenheit gemäß Artikel 6:248 des Niederländischen Bürgerlichen Gesetzbuchs gemildert werden.

Warum dies für internationale Unternehmen von Bedeutung ist

Ausländische Unternehmen, die an die Vertragsgestaltung nach dem Common Law gewöhnt sind, bei der der wörtliche Text in der Regel entscheidend ist, sollten sich darüber im Klaren sein, dass niederländische Gerichte über den Wortlaut hinaus auf die wirtschaftliche Absicht blicken. Dies wirkt sich sowohl auf die Art und Weise aus, wie Verträge abgefasst werden sollten, als auch darauf, wie Streitigkeiten über die Vertragsauslegung geführt werden. Einen umfassenden Leitfaden finden Sie auf unserer Seite zum niederländischen Vertragsrecht oder kontaktieren Sie uns für ein erstes kostenloses Beratungsgespräch.

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Zuletzt überprüft: 17. April 2026 durch MAAK Advocaten N.V.

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